Wie man Bienen dazu bringt, in die Kamera zu schauen – Jan Michael Hosan im Interview

Mit großformatigen Insekten kennt sich der Fotograf Jan Michael Hosan aus. Bereits 2014 zeigte er in der großen Open-Air-Ausstellung am Zingster Strand seine Schmetterlinge. In diesem Jahr zum zehnjährigen Festivaljubiläum sind seine neuen Bilder auf dem Museumshof zu sehen – die Ausstellung trägt den Titel »Stoppt den Bienenvölkermord« und soll aufrütteln, soll ein Umdenken in Gang setzen und sie soll aber vor allem eines sein: Eine Verbeugung vor der Honigbiene.

 

Im Interview erzählt der Fotograf aus Neuwied – der, wenn er nicht an seinen freien Strecken arbeitet, für seine Industrie-Kunden um die ganze Welt fliegt – warum eine Aufnahme schon mal einen Tag dauern kann, warum sich ein Bienenvolk seinetwegen ziemlich aufgeregt hat und wie man Bienen dazu bringt, in die Kamera zu schauen.

 

»horizonte zingst«: Warum interessieren Sie sich für Bienen?

Jan Michael Hosan: Nachdem ich 2014 die Schmetterlinge für Zingst fotografiert hatte, hat mich das Thema Insekten nicht mehr losgelassen. Ich habe in meiner freien Zeit viel experimentiert und habe Spinnen, Käfer, und Co. vor die Kamera geholt.

 

Vor allem aber wollte ich unbedingt eine technische Idee umsetzen: Wie schaffe ich es, einem Insekt quasi eine Kamera auf den Rücken zu binden und es im Flug die Artgenossen fotografieren zu lassen? Oder genauer gesagt: Wie kann ich ein Makro mit einem scharfen oder einem gesteuert bewegungsunscharfen Hintergrund fotografieren?

 

Erst wollte ich das Thema mit Hummeln fotografieren, aber dann habe ich sehr, sehr viel über Bienen gelesen und fand sie sofort total spannend, das sind richtig tolle und interessante Tiere. Und sie sind eine bedrohte Spezies, für die sich zu engagieren lohnt. So kam eines zum anderen und ich habe mein erstes Bild von drei orientierungslosen Bienen in einer Großstadt geschossen.

 

Danach war mir allerdings sofort klar, dass ich die Bienen vor allem dort fotografieren will, wo sie auch für uns Menschen überlebenswichtig sind: Bei ihrer Arbeit, draußen, unterwegs, Blütenstaub sammelnd und verbreitend. So sind dann die Bilder im Freien entstanden und begleitend nach und nach die anderen Motive im Studio.

 

Wie haben Sie die Bilder im Studio technisch umgesetzt?

Dazu habe ich mit einem sehr aufwändigen Studioaufbau viel ausprobiert und experimentiert. Das Bild mit der Biene, die auf die Lupinen zufliegt, habe ich zum Beispiel so umgesetzt: Zuerst habe ich die Kamera auf einen Wagen gesetzt, bin mit dem Wagen durch die Wiese gefahren und habe dabei ausgelöst. So ist die Bewegungsunschärfe entstanden. Danach habe ich das Bild hochauflösend ausbelichtet und auf einen Hintergrund aufgebracht. Dieses Bild habe ich in einen eigens für den zweck gebauten Kasten aus entspiegeltem Museumsglas gesetzt.

 

Dann kamen die Bienen dazu, die ich zuerst einmal irgendwie dazu bringen musste, in die Richtung zu fliegen, in der ich sie brauchte. Herauszufinden, wie das funktioniert, hat mich einige Zeit gekostet. Am Ende war die Lösung: Ich habe sie mit zwei Dauerlichtleuchten gelenkt, denn sie fliegen immer zum Licht. So habe ich es auch am Ende geschafft, dass sie quasi in die Kamera schauen.

 

Fotografiert habe ich letztendlich dann mit zwei Speedblitzen, um diese unglaublich schnellen und extrem kleinen Tiere mit der richtigen Schärfe zu erwischen.

 

Sie arbeiten seit etwa einem Jahr an dem Thema – wie sind Sie vorgegangen?

Die Studio-Bilder habe ich immer dann gemacht, wenn ich mal eine größere Lücke in meinem Auftragskalender hatte, da sie unglaublich aufwändig und zeitintensiv sind.

 

Die Fotos, die draußen entstanden sind, erforderten eine ganz andere Herangehensweise – zuerst einmal war ich auf gutes und warmes Wetter angewiesen, denn dann sind die Bienen am aktivsten. Ich hatte jüngst also eine ziemlich lange Pause...Sobald aber die erste Frühlingssonne wieder draußen war, habe ich direkt weiter gemacht.

 

Generell musste ich erstmal die richtige Optik finden – ich habe mit einem Tele begonnen, das sah aber nicht aus, da die Perspektive zu gestaucht war. Nach und nach habe ich mich dann zu der Normalbrennweite vorgearbeitet, das 50er hat am Ende tatsächlich die besten Ergebnisse gebracht und mit vier Zwischenringen waren Schärfe und Look genau so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

 

Auf der Wiese hatte ich dann immer dabei: Eine Lampe für das Hauptlicht, zwei bis drei Blitze und ein Lichtleiterkabel. Damit war das Equipment klar, dann musste ich »nur noch« Bilder machen.

 

Was war an dem Thema besonders herausfordernd?

Die Schärfe. Ich wollte natürlich perfekte Ergebnisse und Bienen sind verdammt flink. Ich habe brutal viele Bilder gemacht, um am Ende überhaupt eine kleine Auswahl zu haben…

 

Nicht ganz ohne war auch die Arbeit am Bienenstock. Um die Bienenkönigin auf ihrer Wabe zu fotografieren, war ich mit dem gesamten Oberkörper im Bienenstock, nur etwa drei Zentimeter von der Königin entfernt. Ihr Volk war entsprechend sauer über den Endringling, flog aufgeregt um mich herum und saß überall, auf meinen Händen, Gesicht und Oberkörper. Dabei die Kamera ruhig zu halten – zumal ich einige Stiche abbekommen habe – war nicht einfach...

 

Welches Bild mögen Sie am Liebsten?

Das mit der Biene, die auf die Lupinen zufliegt. An dem Bild habe ich einen ganzen Tag gearbeitet, aber jetzt ist es genau so, wie ich mir das vorgestellt habe.

 

Last but nor least: Haben Sie zum 10-jährigen Festivaljubiläum eine Botschaft für die Besucher und die Zingster Mannschaft?

Ich bin immer wieder total happy, wenn ich dabei sein kann. Zehn Jahre sind eine super Sache, herzlichen Glückwunsch! Ich freue mich schon auf das Bierchen am Strand, um auf die nächsten zehn anzustoßen.

 

 

Die Ausstellung »Stoppt den Bienenvölkermord« von Jan Michael Hosan ist ab dem 20. Mai 2017 auf dem Museumshof in Zingst zu sehen – Open Air und in XXL. Zu der Ausstellung werden im Museumsgarten übrigens Bienenstöcke aufgestellt, der erste Festivalhonig wir dann vermutlich nicht mehr lange auf sich warten lassen.

 

Website: http://www.hosan.eu oder www.fotogloria.de

 

Das Gespräch führte Edda Fahrenhorst | fotogloria.
Bilder: Jan Michael Hosan