»Schirmherr ist wohl Ehrensache« – Walter Schels im Interview

Walter Schels ist eine der bedeutendsten Fotografenpersönlichkeiten Deutschlands. Und er ist dem Umweltfotofestival »horizonte zingst« von Anfang an tief verbunden.

 

Umso mehr freuen wir uns, dass er in dem Jubiläumsjahr die Schirmherrschaft für das Festival übernommen hat. Er sagt dazu: »Mein Beruf ist es, die Welt mit der Kamera zu ergründen. Im Mittelpunkt meiner Betrachtungen hat dabei stets der Mensch gestanden. Der Berufung Schirmherr des Umweltfotofestivals »horizonte zingst«  – bin ich nach anfänglichem Zögern – letztlich gern gefolgt, weil ich diese Veranstaltung von Anfang im Sinne meiner fotografischen Weltanschauung als besondern wichtig betrachtet habe. In Zingst geht es immer um wichtige Inhalte und im Kern nie um verkünstelte Oberflächlichkeiten. In Zingst wurde der Mut bewiesen, auch zeitkritische Themen zu visualisieren.«

 

Und natürlich zeigt der Hamburger Fotograf auch wieder eine Arbeit: seine »Hände«, die jüngst auch als Bildband erschienen sind, werden im Rahmen der Ausstellung »One World« zu sehen sein. Wir haben mit Walter Schels über seine Aufgabe als Schirmherr und über seine Fotografie gesprochen.

 

»horizonte zingst«: Sie sind in 10 Jahren Festivalgeschichte der einzige Fotograf, der in jedem Jahr eine seiner Arbeiten gezeigt und einen Workshop gegeben hat. Was bedeutet das für Sie?

 

Walter Schels: Ich freue mich, dass ich so oft von Klaus Tiedge und dem Team in Zingst eingeladen wurde. Mit Zingst bin ich von Anfang an verbunden.

 

Und nun sind Sie in diesem besonderen Festival-Jahr zum Schirmherrn ernannt worden. Hätten Sie jemals damit gerechnet? Und: Wie kam es dazu?

 

»Schirmherr« ist wohl Ehrensache. Ich weiß nicht was und wie ich beschirmen kann.

 

Wie leben Sie aktiv die Rolle der Schirmherrschaft zum zehnten Jubiläumsfestival?

 

Erst einmal freue ich mich darüber, dass sich das Festival in 10 Jahren so toll entwickelt hat. Und dann begleite von Freitag, 19.5. bis Montag 22.5. Ausstellungen und bin bis zur Podiumsdiskussion »Hände« präsent.

 

Neben Ihrer repräsentativen Rolle sind Sie in diesem Jahr aber vor allem auch wieder als Fotograf in Zingst. Welche Ihrer Arbeiten wird in diesem Jahr gezeigt?

 

Gezeigt werden Bilder aus meinem neuen Buch »Hände«, das jüngst im S. Fischer Verlag erschienen ist. Porträts und Hände von interessanten Menschen, prominent und unbekannt, Politiker, Künstler, vom Neugeborenen bis zu Sterbenden.

 

Wie sind Sie auf das Thema Hände gekommen und was fasziniert Sie daran?

 

Seit vielen Jahren fotografiere ich zu den Gesichtern auch die Hände. Sie sind für mich wie ein »zweites Gesicht«. Hände unterscheiden uns Menschen am stärksten von Tieren. Gesicht und Hände sind die Körperteile, die meist offen sichtbar sind. Es gibt keine zwei gleichen Hände unter den Milliarden Menschen, vergleichbar mit unserer der DNA. Es braucht Kenntnisse über die Bedeutung der Handlinien und viel Erfahrung zum Analysieren. Es ist wie mit einer Fremdsprache, ohne die Sprache zu lernen macht sie keinen Sinn.

 

 

Wie lange haben Sie an dem Thema gearbeitet?

 

Seit ich Fotograf bin, seit den 70er Jahren. Ich machte erst Handabdrücke, ehe ich Hände fotografierte.

 

Und wie kann man sich einen Fototermin mit etwa Angela Merkel oder dem Dalai Lama vorstellen?

 

Um Angela Merkel zu fotografieren hatte ich einen Termin über den Stern. Ich porträtiere die Parteispitzen und auch deren Hände. Um einen Termin mit dem Dalai Lama zu bekommen, musste ich mich Monate vorher bemühen. Die meisten meiner Porträts sind freie Arbeiten, z.B. porträtierte ich weit über 100 Musiker, ohne Auftrag.

 

Was war Ihr eindrücklichstes Erlebnis während der Arbeit an dem Projekt?

Es gibt zu viele Geschichten, hinter jedem Gesicht öffnet sich ein ganzes Leben. Gerade über die Hände durfte ich mehr über die Persönlichkeiten erfahren als es bei einem normalen Porträttermin möglich gewesen wäre und fast alle waren neugierig, was ihre Hände sagen...

 

Haben Sie schon darüber nachgedacht, was Sie im nächsten Jahr in Zingst zeigen?

 

Nein, daran habe ich noch nicht gedacht, ich wurde auch noch nicht dafür eingeladen, das geschieht üblicherweise viel später. Themen die ich noch nie gezeigt habe hätte ich genügend.

 

Last but not least: Haben Sie eine Botschaft an die Festival-Besucher und an die Zingster Festival-Mannschaft?

 

Feste Botschaft an die Festivalbesucher und an das Team habe ich nicht. Die Besucher sollten einfach sich inspirieren und zum selber fotografieren anregen lassen. Und sich möglichst mit anderen Besuchern austauschen. Die Gelegenheit, Gleichgesinnte kennen zu lernen, wäre günstig. Der Zingster Festival-Frau- und Mannschaft, wünsche ich ein Gefühl, wie ich es bei Frauen vor und nach der Geburt erlebte. Erst kommen die Schmerzen und dann die Freude, wenn alles gut gelungen ist. Bis zum nächsten Mal.

 

 

 

Die Strecke »Hände« ist im Rahmen der Ausstellung »One World« ab dem 20. Mai 2017 im  Kunsthallenhotel Vier Jahreszeiten zu sehen.

Das Fotopodium »Hände« mit Walter Schels und Beate Lakotta findet am Montag, den 22. Mai im Kunsthallenhotel Vier Jahreszeiten um 16 Uhr statt.

 

Website:

http://www.walterschels.com/

 

Das Gespräch führte Edda Fahrenhorst | fotogloria