»Naturschutz mit der Kamera – das ist unser Ziel« – Ralf-Peter Krüger im Interview

In diesem Jahr feiert das Umweltfotofestival »horizonte zingst“ sein 10-jähriges Jubiläum – ein guter Anlass, zurück zu schauen: Wie kam die Fotografie eigentlich nach Zingst? Und wie ist daraus ein kapitales Festival entstanden?

 

Ralf-Peter Krüger, seines Zeichens Geschäftsführer der Zingster Kur- und Tourismus GmbH, ist von Anfang an Überzeugungstäter und ein mutiger Visionär, der innerhalb der letzten 15 Jahre aus einer tiefen Faszination für die Fotografie nicht nur ein touristisches Standbein für den Ort Zingst entwickelt hat, sondern damit auch ein Bewusstsein dafür, dass die Fotografie einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leisten kann.

 

»horizonte zingst«: Wann haben Sie das erste Mal den Gedanken gehabt, dass die Fotografie ein Thema für Zingst sein könnte?

Ralf-Peter Krüger: Das war 2002. Wir hatten mit der Wende, dem Aufbau des Tourismus danach und der daraus folgenden Gründung der Kur- und Tourismus GmbH im Jahr 2000 bewegte Jahre hinter uns und waren auf der Suche nach einem touristischen Alleinstellungsmerkmal. Sicher, wir haben den tollen Strand direkt vor der Haustür und den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ebenso, aber ich war noch auf der Suche nach einem ergänzenden, einem verbindenden Element.

2002 bin ich Heinz Teufel begegnet und habe ihn über die Fotografie sprechen hören und war fasziniert.

 

Und welches war die erste fotografische Aktion?

Heinz Teufel hat recht bald die ersten Workshops bei uns gegeben und dafür reisten einige Teilnehmer extra an, die zu seiner Stammkundschaft gehörten – alles interessante Leute aus der freien Wirtschaft. Und alle waren gerne hier bei uns in Zingst, sie wollten »unsere« Natur gleichzeitig fotografieren und genießen und waren an dem Naturthema generell interessiert. Das war die Verbindung, nach der ich gesucht hatte.

 

Es dauerte nicht lange und wir haben die ersten Ausstellungen mit Arbeiten von Heinz Teufel gezeigt, der außerdem noch seine Kontakte zu Fotoherstellern wie Leica oder Hasselblad mitbrachte. Von dort aus war es dann kein allzu großer Schritt mehr zu der »Schule des Sehens«, der ersten Fotoschule in Zingst.

 

Wir haben das Thema Fotografie von Anfang an sukzessive und mit Bedacht ausgebaut, so folgten 2004 die ersten Fototage und Fotowochenenden, es wurden mehr Ausstellungen und mehr Workshops...

 

Wann und warum kam der Gedanke zu einem Fotofestival auf?

Im Jahr 2005 habe ich Klaus Tiedge – der von Anbeginn bis heute der Kurator der Erlebniswelt Fotografie Zingst ist – das erste Mal getroffen und wir haben immer wieder die Köpfe zusammen gesteckt, um über die Möglichkeiten der Fotografie in Zingst zu beraten. Er war es letztlich, der die Idee zu dem Festival hatte.

 

Mehr noch, Klaus hat unsere Kernkompetenz – Natur und Umwelt – thematisch an die Festivalidee geknüpft und den roten Faden dafür entwickelt. Und nicht nur das: Er hat uns an seinen Kontakten teilhaben lassen, er hat die fotografische Hochkultur in das Festival gebracht und dabei die kaufmännischen Aspekte niemals aus den Augen gelassen.

 

2008 war es dann das erste Mal soweit, das Umweltfotofestival »horizonte zingst« war geboren und mit ihm der Leitgedanke des Festivals: »Natur, Kultur, Fotografie und Begegnung«

 

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an das erste Festival denken?

An Uwe George, Fotograf und ehemals Expeditionsleiter von GEO, der die erste große Multivisionsshow bestritten hat. Er zeigte großartige Bilder, hatte die ganze Welt bereist und brachte seine Geschichten zu uns, zum Festival, nach Zingst – einfach toll.

 

Hätten Sie damals gedacht, dass es das Festival so lange geben und dass es so erfolgreich werden würde?

Wir haben das Thema Fotografie einfach immer weiter ausgebaut. 2011 haben wir zu Beispiel das Max-Hünten-Haus als Basisstätte für alle fotografischen Aktivitäten gebaut. Zusätzlich haben wir unser Programm stetig erweitert und bieten mit der Fotoschule ein Angebot an, das sich sehen lassen kann. Darüber hinaus setzen wir über das Jahr verteilt mit der Fotoconvention, dem Fotoherbst und natürlich dem Festival echte Highlights.

 

Also ja, ich war immer optimistisch, dass es das Festival so lange geben würde. Steigende Besucherzahlen – im letzten Jahr konnten wir knapp 43.000 Besucher begrüßen – eine Medienresonanz, die jedes Jahr zunimmt und eine größer werdende Akzeptanz auf allen Ebenen der Fotoszene auf der einen Seite und eine Aktualität, ja fast schon Brisanz unserer Kernthemen Umweltschutz und Nachhaltigkeit auf der anderen Seite sind für mich ein guter Hinweis darauf, dass es das Festival noch viel länger geben wird.

 

Was bedeutet das Fotofestival für Zingst und vor allem auch für die Zingster?

Am Anfang war die Fotografie bei den 3.100 Zingstern umstritten und es war nicht einfach, sie davon zu überzeugen, dass die Fotografie uns hochkarätige Gäste in den Ort bringen würde, die nicht nur an der Fotografie, sondern an der Fotografie in der Verbindung mit der Natur interessiert sind. Da war und ist das Festival von Anfang an und bis heute ein wichtiger Schritt, um die Zingster einzubeziehen und sie für das Thema Fotografie zu begeistern.

 

In 10 Jahren Festival gab es viele Begegnungen, Ausstellungen und Erlebnisse – was ist Ihre eindrücklichste Erinnerung?

Ich habe bei einem der ersten Festivals mit Walter Schels – der in diesem Jahr auch unser Schirmherr ist – im Café Rosengarten gesessen und er hat mir erzählt, in welcher Art und Weise er mit den Menschen umgeht und warum. Das hat mich tief beeindruckt.

 

Doch nun genug der Rückschau: Können Sie uns heute schon einen Einblick geben, welchen Weg das Festival in den nächsten Jahren einschlagen wird?

Nur so viel: Wir haben noch viel vor. Als nächstes steht auf dem Plan, dass wir ein Themenhotel Fotografie bauen werden...

 

Last but not least: Haben Sie zum 10-jährigen Jubiläum eine Botschaft an die Besucher des Festivals?

Zweierlei ist uns bei dem Festival schon immer wichtig gewesen. Einmal ist da die tiefe Überzeugung, dass wir mit der Fotografie ein Bewusstsein für den behutsamen Umgang mit der Natur vermitteln können. Indem wir zwar auch die verheerenden Seiten der Umweltverschmutzung zeigen, aber vor allem die Schönheit unseres Planeten, die es aktuell zu schützen und vor allem auch für die nächsten Generationen zu bewahren gilt, hervor heben.

 

Dann begleitet uns ja schon lange der Leitgedanke des Festivals: Natur, Kultur, Fotografie und Begegnung Jedes der vier Elemente hat seine große Bedeutung, für mich ist aber vor allem das Thema Begegnung  immer sehr wichtig. Jedes Jahr denke ich, dass alle Fotografen, Festivalbesucher, die Festivalmannschaft und die Zingster zur Festivalzeit zu einer eine großen Familie werden. Immer in unterschiedlicher Besetzung, immer mit unterschiedlichen Herangehensweisen, aber immer mit dem Wunsch, den Schutzgedanken aufzunehmen und sich mit der Fotografie für die Umwelt zu engagieren. Daran lasst uns auch in diesem Jahr arbeiten.