»Ich liebe die Natur!« – Iurie Belegurschi im Interview

Der Fotograf Iurie Belegurschi kennt Island durch und durch. Seit neun Jahren streift er mit der Kamera durch das Land, erwandert sich die besten Perspektiven, trotzt den schwierigen klimatischen Verhältnissen, und weiß, wann das beste Licht wo zu finden ist. Das sieht man seinen Bildern an, die einen direkten Blick in die Seele der isländischen Landschaften zu werfen scheinen.

Wir haben Iurie zu seiner Fotografie befragt:

Wann und warum bist Du Fotograf geworden?
Ich habe mich schon sehr früh für die Fotografie interessiert – ich kann mich noch daran erinnern, wie mein Onkel mit seiner russischen Kamera fotografierte und die Filme in seiner Dunkelkammer, unserem Familienbadezimmer, entwickelte. Er hat immer mein Interesse an der Fotografie unterstützt und ließ mich manchmal die Kamera mit zur Schule nehmen, wo ich dann meine Klassenkameraden und die Schule fotografiert habe. Das war damals natürlich nur Spaß, aber legte den Grundstein für meine fotografische Leidenschaft.

Als ich dann vor neun Jahren nach Island zog, war ich von der Schönheit der Landschaften tief bewegt – das wollte ich fotografieren! Ich lernte also, wie DSLR funktioniert und habe einfach angefangen. Am Anfang war die Fotografiererei nur ein Hobby, aber ich machte mehr und mehr Bilder und das Feedback war irgendwann überwältigend...

Meine Bilder verbreiteten sich rasch über die sozialen Medien und wurden von Zeitungen und Magazinen aufgegriffen und veröffentlicht. Derart motiviert reiste ich immer länger in immer andere Gegenden von Island und arbeitete an immer spektakuläreren Bildern. Wie von selbst wurde ich daraufhin gebeten, andere Fotografen, unter anderem auch Art Wolfe, auf meine Touren mitzunehmen. Ich bekam so viel Zuspruch und Lob für meine Arbeit, dass ich irgendwann entschied, professioneller Fotograf zu werden. Außerdem gründete ich die »Iceland Photo Tours«, um Fotografen aus der ganzen Welt zu den schönsten Stellen Islands zu führen.

Wie hast Du Deinen fotografischen Standpunkt entwickelt?
Ich liebe die Natur, einfach alles um mich herum. Ich bin von den Farben der magischen Stunden (Sonnenuntergang, Sonnenaufgang und die Mitternachtssonne) begeistert und habe schon immer besonders gerne zu diesen Tageszeiten fotografiert. Landschaften mit einem farbenprächtigen, dramatischen Himmel wurden so mein Markenzeichen.

Wie arbeitest Du am liebsten?
In der Landschaftsfotografie ist nichts vorhersehbar. Wir können nichts kontrollieren. Ich habe mich entsprechend einfach daran gewöhnt, niemals Idealbedingungen zu erwarten. Wenn man mich allerdings fragt, wie ich am liebsten arbeite, so würde ich sagen: ein atemberaubender Himmel über einer großartigen Landschaft bei milden Temperaturen, so dass ich die Schönheit der Natur entspannt genießen kann.

Wie sieht Dein technischer Hintergrund aus? Mit welcher Kamera und welcher Ausrüstung arbeitest Du?
Ich bin Autodidakt. Als ich startete, waren wir noch im Zeitalter des Films, irgendwann aber bin ich natürlich bei der digitalen Technik gelandet. Mit dem Wechsel zu DSLR habe ich meine Erfahrung vor allem durch ausprobieren, experimentieren und viel fotografieren gemacht.

Als professioneller Fotograf arbeite ich natürlich mit der Ausrüstung, die sich für mich am besten für die Reise- und Landschaftsfotografie eignet. Zur Zeit besitze ich Kameras sämtlicher Hersteller wie etwa Canon, Nikon, Sony, Lee Filters, RRS, Singhray und Nisi. Um bei unseren Reisen das Wissen um die Fotografie bestmöglich weiterzugeben – und auch, um meine Leistung ständig zu verbessern – halte ich es für zwingend erforderlich, immer auf dem neuesten Stand der Technik zu sein.

Was waren deine besten/ schlimmsten Erfahrungen als Photograph?
In den vergangenen neun Jahren habe ich einige tolle und einige schlimme Erfahrungen gemacht, aber ein Erlebnis spricht für alle: Der Ausbruch des Vulkans Bárðarbung. Es war die beste Erfahrung, weil die Aufregung und das Adrenalin, das durch meinen Körper floss, unglaublich waren. Gleichzeitig war diese Erfahrung aber auch die Furchterregendste: Ich saß im Helikopter an der offenen Tür, damit ich frei fotografieren konnte. Hitze und Gase aus dem Vulkan stiegen bis zu mir hoch und auf einmal befiel mich die Angst, dass der Haltegurt reißen und ich in den Krater fallen könnte…

Was verbindest du mit dem Festival »horizonte zingst«?
»horizonte zingst« nutzt die Fotografie als Medium, um unsere Aufmerksamkeit auf die Natur und den Umweltschutz zu lenken. Ich fühle mich sehr geehrt, in diesem Jahr ein Teil des Festivals sein zu dürfen, um an diesem großen Ziel mitzuarbeiten.

Island ist isoliert und in vielerlei Hinsicht geschützt. Wir nutzen unsere eigene geothermale Energie und die Bürger Islands bemühen sich sehr um den natürlichen Erhalt ihrer Umwelt. Aber selbst die Isländer sorgen sich, dass mit wachsendem Tourismus die Natur negativ beeinträchtigt werden könnte. Noch ist der Schaden sehr gering, es liegt etwa nur sehr wenig Müll in der Gegend herum, aber wenn beispielsweise Autos in den Jökulsárlón Gletschersee fallen – das ist neulich wirklich passiert – ist die Sorge schon groß.

Ich hoffe dass meine Fotos, die die Schönheit Islands zeigen, nicht nur zu einen Besuch inspirieren, sondern auch darauf aufmerksam machen, sorgsam mit dieser Schönheit umzugehen. »horizonte zingst« ist eine großartige Gelegenheit diese Sorgsamkeit nicht nur bezüglich Islands, sondern im Sinne der ganzen Welt zu fördern. Wenn wir die Natur genießen wollen, müssen wir uns auch um sie kümmern.

Mit dem Blick auf die Ausstellung in Zingst: Welches Bild gefällt dir am besten und warum?
Ich mag den Vulkan am meisten – die Erinnerungen an das Shooting sind schon sehr besonders, so ein Foto macht man nicht jeden Tag.

Und last but not least: Was wünschst Du Dir für Deine fotografische Zukunft?
Ich bin aktuell schon dabei, unser Tourangebot mit internationalen Zielorten zu erweitern. Dabei und dafür arbeite ich mit anderen preisgekrönten, professionellen Fotografen aus aller Welt zusammen. Für mich habe ich vor allem weiter die Arktis im Visier und hoffe darüber hinaus, in der Zukunft weitere, wunderschöne Orte der Welt zu entdecken.