»Freunde lass uns ein wundervolles Foto-Fest feiern« – Kurator Klaus Tiedge im Interview

Was 2008 mit einem kleinen Aufgebot an Naturfotografen startete, ist im Laufe der letzten zehn Jahre – begleitet von unendlich viel Engagement des Zingster Festival-Teams und flankiert von ungezählten  spannenden Ideen – zu einem Muss im fotografischen Kalender geworden. Und zu einem wirkungsvollen Statement für den Naturschutz mit der Kamera

Immer mittendrin und seit Anfang an dabei: Kurator Klaus Tiedge. Wir haben hat mit dem fotografischen Denker und Lenker von »horizonte zingst« gesprochen.

 

»horizonte zingst«: In diesem Jahr wird das Umweltfotofestival „Horizonte Zingst“ zehn Jahre alt – was bedeutet das für Sie?

Klaus Tiedge: Ich hatte die Freude und die Ehre an der Wiege des Umweltfotofestivals »horizonte zingst« gestanden zu haben. Als Kurator durfte ich an weichenstellenden Fragen der konzeptionellen Ausrichtung mitwirken. Alljährlich zum Festival sind es rund gerechnet 20 Ausstellungen, die es zu gestalten gilt.

 

Ich bin durchaus ein wenig stolz, dass ich Beiträge dazu leisten konnte, dass sich »horizonte zingst« zur einer Erfolgsstory entwickelt hat – mit Alleinstellungsmerkmalen auf der Grundlage des Wertekanons Natur, Kultur, Fotografie, Begegnung.

 

Welche Erinnerungen haben Sie an das erste Festival im Frühsommer 2008?

Ich bewunderte den Mut von Peter Krüger, den Weg eingeschlagen zu haben, der Fotografie diesen hohen Stellenwert zuzumessen.  Mich begleiteten – ehrlich gesagt – zu Anfang nicht geringe Zweifel. Dann aber, nachdem sich der Erfolg abzeichnete, sind da – bis auf den heutigen Tag – große Glücksmomente bestimmend.

 

Hatten Sie damals schon eine Vorstellung davon, welche Größe und Bedeutung das Festival zehn Jahre später haben würde?

Nein. Aber ich hatte das Gespür, dass wir mit einer inhaltlichen Ausrichtung auf Natur und Umwelt plus einer technischen Ausrichtung auf die digitale Bilderwelt zwei den Trend bestimmende Kräfte zu unserer Sache machten.

 

Thematisch hat sich Zingst als Umweltfotofestival schon sehr früh und wegweisend positioniert. Wie kam es dazu?

Auf der Suche nach der Kernkompetenz muss man in Zingst nur aus dem Fester schauen. Da ist Natur, Natur und nochmals Natur. Zwischen Ostsee und Boddengewässern, eingebunden vom Nationalpark tut sich eine wunderbare Motivwelt auf

 

Mit Blick auf die Fotografie: Gibt es einen „roten Faden“, den Sie die ganzen Jahre über verfolgt haben?

Die Mischung machts. Zwischen der Darstellung grandioser Naturschönheit, und den Bedrohungsszenarien gibt es jede Menge Raum relevante zeitgemäße Themen aufzugreifen. Der berühmte »rote Faden« ist am einfachsten zu erkennen, wenn ich sage: Wir fördern Naturschutz mit der Kamera.

 

An welche Ausstellungen erinnern Sie sich besonders gut?

Besonders berührt hat mich die Tschernobyl-Ausstellung von Gerd Ludwig im sogenannten Marine-Komplex, aber dann kommen gleichrangig immer wieder die großen Open-Air-Ausstellungen wie die Weltraumbilder von Alexander Gerst oder die »Stella Polaris«-Installation vor dem Max Hünten Haus, um Highlights zu nennen.

 

Als Kurator der Erlebniswelt Fotografie sind Sie ja nicht nur für die inhaltliche Ausrichtung der Ausstellungen verantwortlich, sondern arbeiten für das optimale Ergebnis Hand in Hand mit Fotopartnern, Fotografen, der Fotoschule oder dem Fotomarkt zusammen. Was heißt das in der Umsetzung?

Alles, was wir machen, ist ein Mannschaftssport. Ich nenne es interne Vernetzung.

Ich bezeichne das als optimierte Funktionskette: Wenn die Bilder guter Fotografen in Ausstellungen zu sehen sind, wenn sie als Vortragende in der Multimediahalle auftreten und dann auch noch als Workshop-Referenten ihr Wissen weitergeben und das mit moderner Technik unser Premium-Partner verbinden, dann ist die Fotowelt in Ordnung.

 

In diesem Jahr hat das Festival einen Schwerpunkt. Welchen und warum?

Wir sind in Zingst immer in besonderer Weise gefordert, unser Umwelt-Engagement unter Beweis zu stellen. Nach dem Appell »be careful« und dem Aufruf zum Schutz der Artenvielfalt, haben wir mit der Aktion »S.O.S. SAVE OUR SEAS« dem Plastikmüll in der Meeren mit vielfachen Ideen den kreativen Kampf angesagt.

 

Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr am meisten?

Ich freue mich am meisten auf das Treffen mit Menschen, zu denen sich nicht nur ein fachlicher, sondern auch freundschaftlicher Kontakt entwickelt hat – und auf gute Gespräche über die Fotografie.

 

Last but not least: Haben Sie eine Botschaft für die Besucher des Festivals und für die Zingster Festival-Mannschaft?

Freunde, lass uns ein wundervolles Foto-Fest feiern!