»Finding Zingst in Austria« – Wolfgang Vogg im Interview

»Finding Zingst in Austria« – für eine der »Young Professionals«-Ausstellungen haben sich Studierende der »Graphischen« (Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt) aus Wien in ihrer Heimatstadt auf den Weg gemacht, um Bilder zu finden, die sich mir Zingst In Verbindung bringen lassen. Wir haben ihren Lehrer Wolfgang Vogg dazu befragt.

Zingst und Österreich – wie passt das zusammen? Spätestens seit dem Jahr 2015 sehr gut, denn in dem Jahr war die »Graphische« (Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt) aus Wien zu Gast beim Umweltfotofestival »horizonte zingst« an der Ostsee und die Idee zu einem gemeinsamen Projekt ist entstanden.

 

 »Heisenbergsche Unschärferelation«, »Interim« oder »Das subjektive Dorf« sind die Themen, die die Studierenden in diesem Jahr unter dem Oberthema »Finding Zingst in Austria« mitgebracht haben. Wir haben Wolfgang Vogg, der an der Graphischen seit 1985 Kunstgeschichte, Kulturphilosophie und Projektmanagement unterrichtet gefragt, wie es zu dem Titel der Ausstellung kam, was ihn an den Ergebnissen überrascht hat und welche Botschaft er für die Festivalbesucher hat.

 

Zuallererst: Bitte stellen Sie sich und Ihre Aufgaben vor.

 

Wolfgang Vogg - ich bin promovierter Kunsthistoriker und unterrichte seit 1985 an der "Graphischen" , der größten Ausbildungsstätte für Fotografie, Grafikdesign, Multimedia und Printmedia in Österreich. Zu meinem ursprünglichen Fach Kunstgeschichte und Kulturphilosophie ist im Laufe der Zeit auch Mediengestaltung und Projektmanagement dazu gekommen. Außerdem organisiere ich seit vielen Jahren Schulveranstaltungen mit dem Ziel einer internationalen und interdisziplinären Vernetzung der Studierenden. 

 

Dieses Jahr feiert das Umweltfotofestival »Horizonte Zingst« sein zehnjähriges Jubiläum – wann waren Sie das erste Mal mit Ihren Studenten in Zingst? Und wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Wir waren im Jahr 2015 das erste Mal in Zingst. Unser früherer Abteilungsvorstand Dr. Werner Sobotka hat uns auf die Idee gebracht und wir waren auf der Suche nach einer fachbezogenen Schulveranstaltung für FotografInnen, weil die von uns seit Jahren mit Studierenden besuchte Photokina ja nur jedes zweite Jahr stattfindet. Ich habe – offen gesagt – damals nicht erwartet, dass der Besuch in Zingst zu einem Fixpunkt in unserem Programm werden könnte. Dazu schien die Entfernung zu groß, die Anreise zu mühsam und das Programm zu speziell. Umso größer war meine Überraschung angesichts dessen, was uns hier erwartete und wie offen wir empfangen wurden. 
Schon während unseres Aufenthaltes wurde überlegt, dass die Graphische im Rahmen der Young Professionals-Schiene im Jahr darauf Teil des Festivals sein könnte.

 

Welches Thema, welche Arbeiten zeigen Sie in diesem Jahr?

Unser Thema lautet »Finding Zingst in Austria«. Die Grundidee dazu ist im letzten Jahr – am Tag nach der Eröffnung der Young Professionals-Ausstellung – während eines Ausflugs an den Weststrand entstanden. Inspiriert hat mich ein Projekt einer Absolventin, Katharina Gossow, die vor längerer Zeit für die wöchentlich erscheinende Wiener Stadtzeitung »Falter« das Thema »Wien wo anders« fotografierte. Ihre Bilder zeigten Ansichten, die zwar in Wien aufgenommen waren, aber an ganz andere Städte denken ließen.

 

Wie viele Studenten haben sich daran beteiligt?

Anfangs waren mehr als 30 Studierende beteiligt, allerdings hat sich bei manchen der Fokus ihres Projekts – nachdem anfangs nicht sicher war, ob wirklich eine Ausstellung zustande kommen wird – von der Grundidee entfernt. Letztendlich haben 13 Studierende sechs konkrete Projekte umgesetzt, die auf sehr unterschiedliche Art und Weise Bezüge zwischen Zingst und Österreich hergestellt haben.

 

Sie haben die Studierenden bei ihrer Arbeit an dem Thema begleitet – wie sah der Prozess in der Praxis aus?

Begleitet wurde der Prozess von Bettina Letz und Uli Eigner, die auch bereits im vergangenen Jahr unsere Young Professionals unterstützt haben. Die beiden arbeiten sehr konzeptionell, das heißt, dass die Studierenden zunächst intensiv recherchieren müssen und dann wird viel Wert auf das Erstellen von konkreten Konzepten und die Diskussion gelegt.

 

Gab es in der Zeit der Zusammenarbeit etwas, was sie überrascht hat? Oder besonders gefreut?

Überraschend und erfreulich war, dass die Studierenden sich mit sehr unterschiedlichen Aspekten beschäftigt haben. Dabei haben sie sich teils auch weit vom ursprünglichen thematischen Ansatz entfernt und in manchen Fällen zwar extrem spannende aber der inhaltlichen Vorgabe nicht mehr entsprechende Projekte entwickelt.

 

Und welche Arbeiten sind letztlich zu dem Thema entstanden?

 

  • »Heisenbergsche Unschärferelation« behandelt das Phänomen, dass wir zwar alle dieselben Bilder sehen, aber unsere eigene Wirklichkeit konstruieren.
  • »Das subjektive Dorf« beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie das Gesehene vom Rezipienten unterschiedlich emotional aufgeladen wird.
  • »Traiskirchen« will die Diskrepanz zwischen dem durch die Medien geprägten Bild eines Ortes, der im Zuge der Flüchtlingthematik in aller Munde war, und den realen Gegebenheiten offen legen.
  • »Interim« beschäftigt sich mit Orten des Übergangs und dem Phänomen, dass ein subjektiv gewählter Ausschnitt aus unserer Umgebung mehr Bedeutung haben kann als einzelne Bildelemente.
  • »Ich bin ...« geht der Frage nach, wie nahe man einer Person kommen muss, um zu erkennen, dass ihr Verhalten authentisch ist.
  • »Ohne Titel« zeigt anhand des neuen Wiener Stadtteils Seestadt, dass die scheinbar perfekte Wohnidylle ein höchst künstlicher Ort ist .

 

Last but not least: Haben Sie eine Botschaft für die Festival-Besucher und die Zingster Festival-Mannschaft?

An die Festival-Besucher:

Aufmerksam sein für die vielen Facetten und Nuancen, die das Festival und der Ort bieten – und dankbar für die Gastfreundschaft, die man hier erleben darf.

An die Zingster Mannschaft:

Danke für die Wertschätzung der Leistung von Studierenden und für das Engagement mit dem ihr uns unterstützt.