»Es ist uns ein zentrales Anliegen, die Schönheit der Welt zu zeigen und uns für den Schutz der Umwelt einzusetzen« – Jürgen Schaefer und Lars Abromeit im Interview

»Der unbekannte Planet – Expeditionen zu den geheimnisvollen Lebensräumen der Erde« – das ist der Titel der großen GEO-Ausstellung, die zum zehnten Jubiläumsfestival »horizonte zingst« am Strand zu sehen ist. Wir haben mit GEO-Expeditionsredakteur Lars Abromeit und mit dem stellvertretenden GEO-Chefredakteur Jürgen Schaefer darüber gesprochen.

Von der Antarktis bis zu den Regenwäldern des Ruwenzori-Gebirges, von tiefen Höhlensystemen bis zu den hohen Himalaya-Gipfeln – Expeditionen haben das Ziel, Neues zu entdecken, Wissen zu vertiefen, Bekanntes anders zu sehen, Grenzen auszuloten und Neugierde zu befriedigen. Für das Magazin GEO – das es sich seit über 40 Jahren zur Aufgabe gemacht hat, neue und andere Blickwinkel auf die Welt zu ermöglichen – sind regelmäßig Wissenschaftler, Fotografen und vor allem auch der Expeditionsreporter Lars Abromeit unterwegs. Mit ihm und mit dem stellvertretenden GEO-Chefredakteur Jürgen Schaefer haben wir darüber gesprochen, wie man Expeditionsredakteur wird, warum Expeditionen ein so zentrales Anliegen für das Magazin sind und was ein Fotograf mitbringen muss, um an einer GEO-Expedition teilnehmen zu können.

»horizonte zingst«: GEO präsentiert beim Umweltfotofestival »horizonte zingst« in der großen Ausstellung am Strand »Der unbekannte Planet - Expeditionen zu den geheimnisvollen Lebensräumen der Erde« – wie kam es zu dieser Idee?

Jürgen Schaefer: GEO-Expeditionsreporter Lars Abromeit hat in den vergangenen Jahren Gebiete der Erde bereist, in die kaum je ein Mensch seinen Fuß setzen wird. Die Bilder und Reportagen, die dabei entstanden sind, sind einzigartig, und sie sind es wert, auch in großem Rahmen präsentiert zu werden. Zingst bietet dafür ein ideales Umfeld.

Warum sind Expeditionen ein so zentrales Thema für GEO?

Jürgen Schaefer: GEO lebt von der Kraft des Erzählerischen und der herausragenden Fotografie. Expeditionen bieten die Möglichkeit, hochgradig relevante Wissenschaft erlebbar zu machen: Unsere Expeditionen sind einerseits eine Reise ans Ende der Welt, andererseits eine Reise zu den Grenzen des Wissens. Das beschert uns immer wieder Reportagen, die unsere Leser begeistern.

Wie wird man Expeditionsredakteur bei GEO, Herr Abromeit?

Lars Abromeit: Zum Expeditionsredakteur gibt es keinen vorgezeichneten Weg, zumal meine Arbeit für GEO – soweit ich weiß – europaweit wohl ein Unikum ist. Ich selbst habe Jura und Biologie studiert und dann an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg das journalistische Handwerk gelernt. Bei GEO habe ist erst als Praktikant begonnen, später als Textredakteur in verschiedenen Themenbereichen gearbeitet - und bin dann, als der legendäre GEO-Reporter Uwe George 2006 in den Ruhestand ging, durch eine Antarktis-Expedition in diese fantastische neue Rolle hineingerutscht. Auf meinen Reise begleite ich meist Naturwissenschaftler – deshalb ist ein Grundverständnis für die Zusammenhänge, mit denen sie sich beschäftigen, auf jeden Fall hilfreich. Genauso wichtig aber ist manchmal, eigenständig am Seil in Steilwänden oder auf Gletschern zurecht zu kommen – oder beim Tauchen in starker Strömung, eiskaltem Wasser und einer Sicht von nur einem Meter die Nerven nicht zu verlieren.

Bitte skizzieren Sie den Weg von der Idee zu einer Expedition bis zur Veröffentlichung in GEO.

Lars Abromeit: Ich bin ganz gut in der weltweiten Szene von Feldforschern, Expeditionsfotografen und Abenteurern vernetzt, unter anderem über den internationalen »Explorers Club« mit Sitz in New York, dem früher auch Edmund Hillary oder Ernest Shackleton angehörten und in den ich vor einigen Jahren aufgenommen wurde. So bekomme ich spannende Expeditionsprojekte früh mit und kann eigene Ideen mit Experten zusammen entwickeln. Wenn die Chefredaktion zustimmt, schmieden wir dann einen Plan, wie wir das ins Auge gefasste Thema für GEO umsetzen könnten: Oft dauert das Wochen, manchmal auch Monate oder Jahre – allein um die nötigen Genehmigungen und die Logistik zusammenzubekommen. Die Ziele, die uns interessieren, sind leider meist schwer zu erreichen…

Umso schöner ist es dann, wenn wir endlich aufbrechen können; in der Regel als Team aus Autor und Fotograf. Wie lange wir mit den Forschern dabei unterwegs sind, ist immer sehr unterschiedlich; manchmal wenige Tage, manchmal bis zu acht Wochen. Und wenn wir endlich heil wiederkommen, muss die Geschichte »nur« noch geschrieben, von unserer Dokumentationsabteilung geprüft und dann zusammen mit allen Fotos, Karten und Grafiken in das Heft gehoben werden. Diese letzte Phase bereitet mir oft die meisten schlaflosen Nächte – da wird über jeden Strich lange nachgedacht, damit die Mühe aus der Recherche den Lesern am Ende auch wirklich zugute kommt.

Herr Schaefer, was müssen ein Fotograf und vor allem auch dessen Bilder mitbringen, um Teil des GEO-Expeditionsteams zu werden?

Jürgen Schaefer: Ein Fotograf oder eine Fotografin, die für GEO eine Expedition begleitet, muss wetterfest, fit und leidensfähig sein. Extreme Temperaturen, lange Märsche in unwegsamem Gelände, Klettereien in schwierigen Wänden und Höhlen sind zu meistern. Nicht zu vergessen: Entscheidend ist auch die Teamfähigkeit; denn Expeditionsreporter sind immer Teil eines Teams, das sich im Zweifel dem wissenschaftlichen Auftrag unterordnet. Und die Bilder? Müssen begeistern, den Atem rauben, die Strapazen ebenso dokumentieren wie die Begeisterung der Forscher.

Herr Abromeit, Sie arbeiten eng mit den jeweiligen Expeditionfotografen zusammen – was heißt das in der Praxis?

Lars Abromeit: Wir tauschen uns regelmäßig aus, oft auch gemeinsam noch mit der Bildredaktion von GEO. Und wenn wir unterwegs sind, dann schweißt das natürlich zusammen: Mit einigen Fotografen habe ich Schneestürme abgewettert und brüchige Eishöhlen ausgekundschaftet, mit anderen Walhaie oder riesige Quallenschwärme im Meer begleitet, mit wieder anderen im Regenwald Giftschlangen und Krokodilen ausweichen müssen. Das sind magische Augenblicke, die ich niemals vergessen werde.

An welche der gezeigten Expeditionen haben Sie die eindrücklichste Erinnerung und warum?

Lars Abromeit: Jede Expedition ist ein einzigartiges Abenteuer; da fällt es schwer, eine einzelne Reise herauszugreifen. Die Antarktis-Geschichte war sicherlich prägend für mich – einfach, weil es die erste große Expedition war, an der ich für GEO teilnehmen durfte. Und weil die Antarktis auch ein schier unglaublicher Ort ist…wie ein fremder Planet auf Erden.

Welche Expeditionen von welchen Fotografen werden in Zingst am Strand zu sehen sein?

Lars Abromeit: Wir haben Fotos aus zwölf Expeditionsgeschichten ausgewählt, die ich mit sieben verschiedenen Fotografen für GEO erarbeitet habe: mit George Steinmetz, Stefen Chow, Christian Ziegler, Robbie Shone, Christoph Gerigk, Solvin Zankl und Tim Laman. Sie alle gehören zu den besten Expeditionsfotografen der Welt und es ist eine Ehre für mich, mit ihnen unterwegs sein zu dürfen. Die Geschichten, die wir gemeinsam durchlebt haben, reichen von der Antarktis bis zu den Regenwäldern des Ruwenzori-Gebirges, von tiefen Höhlensystemen bis zu den hohen Himalaya-Gipfeln. Fast immer geht es dabei um wissenschaftliche Fragen, die nicht im Labor zu beantworten sind, aber uns alle betreffen. Ich glaube, damit gibt die Ausstellung einen sehr guten Überblick über das Faszinosum des Unbekannten, dem wir immer wieder erliegen.

Der Umweltgedanke in Verbindung mit der Fotografie ist sowohl für GEO als auch für das Festival in Zingst von zentraler Bedeutung – Herr Schaefer was bedeutet Ihnen die Kooperation?

Jürgen Schaefer: Die Kooperation mit dem Festival in Zingst bietet GEO die Gelegenheit, ein breites und ökologisch interessiertes Publikum zu erreichen – und dies mit einer Darstellungsform, die über das gedruckte Heft hinausreicht. Viele Bilder, die in GEO erscheinen, sind es wert, auf großer Leinwand zu erscheinen. Für viele unserer Fotografen und für die GEO-Redaktion ist es ein zentrales Anliegen, die Schönheit der Welt zu zeigen, und sich für den Schutz der Umwelt einzusetzen.

Last but not least:: Haben Sie zum Jubiläum eine Botschaft für die Festivalbesucher und die Zingster Festivalmannschaft?

Lars Abromeit: Auf meinen Expeditionen erlebe ich immer wieder, wie viel es in unserer scheinbar vermessenen Welt weiterhin zu entdecken gibt. Ich finde, das sollte uns inspirieren, die Neugier nicht zu verlieren – und uns für den Erhalt dieser wilden Naturräume einzusetzen. Das sind wir den kommenden Generationen schuldig.

 

Die Ausstellung »Der unbekannte Planet – Expeditionen zu den geheimnisvollsten Lebensräumen der Erde« ist ab dem 20. Mai 2017 Open-Air am Zingster Strand zu sehen, die Eröffnung ist am Freitag, den 19. Mai um 18. 30. Ebenfalls am 19. Mai erzählt Lars Abromeit in der Multimediahalle noch viel mehr über seine Expeditionen – die Multivisionsshow »Der unbekannte Planet« geht um 20 Uhr los.

 

Website:

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Das Gespräch führte Edda Fahrenhorst | fotogloria